| Montag, 25. Februar 2008 |
| Heinz Seliger und der WTHC |
| Pressespiegel Wiesbadener Tegblatt
Der Ertrag des jahrelangen Wirkens für Gleichgesinnte und inmitten der Gemeinschaft stellte sich in schweren Zeiten ein. 2004 und 2005, als er krankheitsbedingte Täler zu durchwandern hatte, als zunächst das Herz eines nach außen hin oft von großer Herzlichkeit geprägten Menschen gefährliche Signale sendete, waren neben seiner Frau Helga am Krankenbett stets Freunde zur Stelle und sprachen Mut zu. Ungebrochene Vitalität In Verbindung mit der eigenen Willenskraft meisterte Seliger weitere gesundheitliche Rückschläge und verkörpert mit nunmehr 72 ungebrochene Vitalität und Lust an Unternehmungen. Das sich über alle Gesichtszüge ziehende, ansteckende Lächeln, das durchaus auch mal spitzbübisch und schlitzohrig wirken kann, ist zurückgekehrt: "Jeder Tag ist ein Geschenk. Man muss ihn so intensiv wie möglich leben." Wobei der gesamte Lebenslauf des gebürtigen Berliners von Intensität geprägt ist. In den Fünfzigern, als das deutsche Wirtschaftswunder Konturen annahm, ging es auf Wanderschaft. Zunächst nach Görlitz, wo der Vater eine Versicherungsagentur betrieb. Anschließend nach Garmisch, wo Heinz Seliger eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann absolvierte. Über Braunlage im Harz und Mannheim gelangte er später nach Wiesbaden und schlug dort Wurzeln. Bei Feinkost Hees (später in leitender Position bei Feinkost Feickert) avancierte Seliger im Handumdrehen vom ersten Verkäufer zum Geschäftsführer. Und fand sein privates Glück. Glück aus der Zeitung In der Zeitung hatte er Bilder einer herausragenden Wiesbadener Hockeyspielerin gesehen. Im Parkcafé traf er sie erstmals. Der Ursprung einer mittlerweile 47 Jahre andauernden Ehe mit dem gemeinsamen Faktor Sport und für Seliger, der zuvor Fußball und Tischtennis gespielt hatte, parallel der Einstieg in die Funktionärs-Laufbahn. Nur Zuschauer zu sein bei den Spielen seiner Helga, das war ihm entschieden zu wenig. Als händeringend ein Schiedsrichter benötigt wurde, betrat er daher spontan das Neuland Hockey. Der dafür benötigte Ausweis kam umgehend per Post - ohne dass Seliger eine Prüfung abgelegt hätte. Doch an der Pfeife fand er die richtige Tonlage, blieb jahrzehntelang ein Unparteiischer im Sinn des Wortes und übernahm zudem zwischen 1979 und 1982 den Part des Sportwartes im Süddeutschen Hockey-Verband. Nachdem er zuvor mit den Herren des Wiesbadener THC in der Rolle des Trainers Süddeutscher Meister geworden war. Stefan Blöcher - der fast 48-jährige Welthockeyspieler von 1987 betreibt nun auf Mallorca ein Golf-Camp -, Kalle und Werner Manthei sowie Max Morgenbesser und Wolfgang Molitor zählten zu seinen Schützlingen. Vor den Heimspielen traf man sich im Seliger-Domizil in der Bertha-von-Suttner-Straße. "Kaffee, Tee, Kuchen, Suppe oder ein Schlückchen Sekt - jeder bekam das, was er wollte", erinnert sich Seliger gerne an das einschwörende Ritual. Ansonsten verstand er sich als Coach der eher leisen Töne, besprach sich stets mit dem harten Kern des Teams und fuhr mit dieser Marschroute bestens. Als Wichtigtuer oder Selbstdarsteller empfand er sich ohnehin nie: "Das Wort Funktionär ist irgendwie negativ behaftet. Ich habe es immer so gesehen, dass die Dinge funktionieren müssen, die man anpackt. Und man darf nie Dankbarkeit erwarten." Schlaflose Nächte Das blieb auch zwischen 1982 bis 1987 die Maxime als Zweiter Vorsitzender von Eintracht Wiesbaden. In dieser Zeit fand Seliger Gefallen am Handball, übernahm ab 1988 den Managerposten des Zweitliga-Ensembles. In einer Phase, als die Eintracht-Handballer Wiesbadens einziger sportlicher Besucher-Magnet waren. Mitte der Neunziger, nach dem Finanzkollaps von Hauptsponsor Procedo, trug Seliger maßgeblich dazu bei, dass die Handballlichter nicht ausgingen - mit bescheidenem Etat und Spielern aus unteren Klassen. Im April 1999 war die Energiezufuhr durch Sponsorengelder dann nicht mehr ausreichend. 150000 Mark fehlten und im Interesse des Gesamtvereins wurde der Rückzug der Handball-Mannschaft bekannt gegeben. Für Heinz Seliger eine Vernunftsentscheidung, die ihm ungeahnte Erleichterung verschaffte: "Zum Monatsende hin bin ich immer in der Nacht aufgewacht, weil nicht klar war, ob die Spieler ihr Geld pünktlich bekommen würden." Überhaupt hat er sich nach seinem Ausstieg als Schriftführer der Wiesbadener Sportförderung und den überwundenen Krisen der Leichtigkeit des Seins verschrieben. Glimmstängel sind seit zehn Jahren tabu. Stattdessen geht´s zum Laufen und zur Gymnastik. Theater, Kunstausstellungen und die turnusmäßigen Reisen nach Principina in der südlichen Toskana lassen ihn mit seiner ein Jahr jüngeren Frau die Zeit genießen. "Der Sport hat mir viel gegeben. Gerade wegen der Kontakte zu Jüngeren", sagt Seliger. Seine Empfehlung: "Viele fragen sich heute zurecht, ob ehrenamtliches Engagement lohnt. Ich finde, man sollte es zumindest probieren und sehen, ob man Spaß daran findet |
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