Donnerstag, 18. Oktober 2007
Wettspielordnung steht weiter in der Kritik

Pressespiegel Wiesbadener Kurier vom 18.10.2007

Tennis-Kompromiss sorgt für Gesprächsstoff 
 
 
Von
Manfred Schelbert

WIESBADEN Eines vorweg: der Hessische Tennis-Verband (HTV) hat sich für die Bekanntgabe der Neuregelung seiner Wettspielordnung einen günstigen Zeitpunkt ausgesucht. Zur Zeit sind Herbstferien und die nutzen die Tennisspieler zumeist zu einem Urlaub in wärmeren Gefilden. Deshalb: Wer in diesen Tagen bei einem Tennis-Club anruft, trifft kaum jemand an. Oder - wie im Falle des Wiesbadener THC - nur Mitglieder, die zur Hockey-Abteilung gehören.

Dieser Umstand ist auch Bertrand Kaus aufgefallen. "Das hat der HTV geschickt gemacht", glaubt der Sportwart des BTC Grün-Weiß Wiesbaden. "Da viele Leute zur Zeit in Urlaub sind, wird der Aufschrei an der Basis gering sein." Dass Kaus ein absoluter Gegner der Spielklassen-Reform ist, wird sehr schnell deutlich. "Das ist alles Augenwischerei", macht der aus seinem Herzen keine Mördergrube.

Unausgegoren sei dieser Kompromiss. "Wie soll das in der Praxis aussehen", fragt der Grün-Weiß Sportwart und geht dazu gleich ans Eingemachte. "Was passiert zum Beispiel, wenn in einer Kreisklasse nur zwei Vereine mit Vierer-Teams melden? Werden die dann an den Spielbetrieb eines anderen Kreises angegliedert?"

Gute Frage, die derzeit noch niemand so richtig beantworten kann. Denn in der Tat ist momentan völlig unklar, wieviele Teams wofür melden und ob die Anzahl der Mannschaften dann ausreicht, um spielfähige Klassen zu organisieren. Ein zweiter Aspekt, den Bertrand Kaus ins Spiel bringt, ist die Frage der Ausländerregelung. Darf auch eine Vierer-Mannschaft weiterhin mit zwei Ausländern auflaufen? Kaus bringt die Problematik auf den Punkt: "Das hätte für die deutschen Tennisspieler fatale Folgen." Klar, in diesem Falle kämen nur noch zwei deutsche Spieler zum Einsatz und der Rest würde zuschauen.

Auch Beate Welter war lange Zeit eine strikte Gegnerin der Variante mit Vierer-Teams. "Auch, weil man uns diese Neuregelung schnell aufzwängen wollte", erläutert die Jugendwartin des TC Diedenbergen. Mit dem nun gefundenen Kompromiss kann sie sich schon eher anfreunden. Allerdings hegt auch sie die Vermutung, dass der HTV mit dieser Regelung in 2008 "etwas den Dampf herausnehmen wollte und in 2009 endgültig die Vierer-Regelung einführen wird."

Paul Derstroff, Vorsitzender des TC Oestrich-Winkel, begrüßt im Prinzip die Wahlmöglichkeit zwischen beiden Varianten. "Insgeheim tendiere ich aber doch noch mehr zur bisherigen Regelung mit Sechser-Teams." Die bisherigen Mannschaften seien aufeinander eingeschworen, der Zusammenhalt und die Geselligkeit im Team würden unter dem Wechsel auf Vierer-Teams zweifellos leiden, vermutet er.

Dass diese Neuregelung in Tenniskreisen weiterhin für viel Gesprächsstoff sorgen wird, ist klar. Zumal es erste Hinweise darauf, wie das neue System in der Praxis aussehen könnte, erst Ende Januar 2008 geben wird: dann endet nämlich die Mannschafts-Meldefrist.
 

 



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